Auslandsadoption
Eine Familie in Äthiopien hat viele Kinder und kein Geld, um sie zu ernähren. Eine deutsche Familie hat Geld und will ein Kind – Auslandsadoption durchführen. Menschenrechtsaktivisten kritisieren das Geschäft mit der Hoffnung – die Auslandsadoption in Afrika.
AUGSBURG/SHINSHIZO taz | Die Zahl der Kinder, die aus Äthiopien ins Ausland adoptiert werden, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Mindestens 3.000 Kinder sind im Jahr 2008 in Länder wie die USA, Frankreich oder Spanien per Auslandsadoption vermittelt worden. Das geht aus einem internen Papier der US-Botschaft in Addis Abeba hervor, dass der sonntaz vorliegt. Während deutsche Familien 2007 noch 29 Jungen und Mädchen von dort aufnahmen, waren es 2008 laut dem Statistischen Bundesamt schon 47. Aus keinem anderen afrikanischen Land kommen mehr Kinder zur Auslandsadoption nach Deutschland.
Menschenrechtsaktivisten warnen, dass die Vermittlung von Waisenkindern zu einem Geschäft wird die man Auslandsadoption bezeichnet. Sie kritisieren auch die Rolle der Auslandsadoptionsagenturen, die dabei als Vermittler agieren. „Die hohen Preise, die die Agenturen für eine Auslandsadoption berechnen, sind häufig nicht gerechtfertigt durch reale Kosten. Auslandsadoptionen sind so zu einem Markt geworden“, sagte Brigitte Siebert von der Zentralen Behörde für Auslandsadoption in Hamburg der sonntaz. Allein 2008 könnten weltweit um die 37 Millionen Euro mit Auslandsadoptionen aus Äthiopien umgesetzt worden sein.
„Immer, wenn für die Vermittlung von Kindern Geld fließt und einige Akteure daran verdienen, ist das Kinderhandel und nicht Auslandsadoption“, sagt die Niederländerin Roeli Post. Sie hat für die EU-Kommission jahrelang gegen die Korruption und Betrug bei der Auslandsadoption von Kindern aus Rumänien gekämpft. Seitdem die Vermittlungen dort komplett gestoppt wurden, fürchtet sie, Länder wie Äthiopien könnten die Rolle Rumäniens in Auslandsadoption einnehmen. Mit ihrer Organisation Against Childtrafficking (Auslandsadoption- Organisation) versucht sie nun dagegen vorzugehen.
In Äthiopien agierten 2008 laut der US-Botschaft in Addis Abeba 69 staatlich lizenzierte Auslandsadoption Agenturen. Sie bringen Kinder aus Waisenhäusern erst in Übergangsheime, um sie auf ihr neues Leben im Westen vorzubereiten, und schließlich in die Länder ihrer neuen Familien. Potentielle Eltern wünschen sich meist gesunde, möglichst junge Söhne oder Töchter. In Äthiopien leben laut Unicef etwa 5 Millionen Waisenkinder, oft sind diese jedoch krank, behindert oder schon älter. Durch das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage kommt es immer wieder zu Betrugsfällen bei der Auslandsadoption.
Auch Abadi Kebede (Name geändert) aus einem südäthiopischen Dorf hat falsche Angaben gemacht, als er seinen Sohn nach Deutschland per Auslandsadoption gab. Die sonntaz erzählt in einer Ganzen Geschichte wie Edo (Name geändert) im Alter von drei Jahren nach Deutschland per Auslandsadoption gelangte. „Der verlorene Sohn“ zeichnet diesen Weg über ein äthiopisches Waisenhaus in eine süddeutsche Familie nach und schildert, wie auf dem Markt der Auslandsadoptionen zwischenzeitlich auch eine Bibliothekarin darauf hoffte, Edo könne ihr Kind werden. Die sonntaz beschreibt, wie eine Auslandsadoption Agentur durch Kebedes Lüge in Bedrängnis gerät. Und wie deutsche Behörden darauf reagieren.